Arzneipflanze 2015 – Johanniskraut

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Arzneipflanze 2015 – Johanniskraut

Das Johanniskraut ist eine der am besten untersuchten Heilpflanzen in der Pharmakologie und ist diese Jahr die Arzneipflanze 2015.

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Kurz vor der Johannisnacht am 23.06. diesen Jahres gab es in der Praxis einen Vortrag über diese phantastische Pflanze und dann wurde gemeinsam ein Johanniskrautöl angesetzt. Für die, die nicht teilnehmen konnten, möchte ich meinen Vortrag hier kurz auf dem Blog wiedergeben, sowie ein paar Eindrücke vom Seminar mit euch teilen.

Der lateinische Name des Johanniskraut ist Hypericum perforatum, im Volksmund sind jedoch unzählige weitere Namen bekannt, die sowohl auf die Wirkung als auch die Mythologie in der Volksmedizin hindeuten:

Alfblut · Blutkraut · Hartheu · Herrgottsblut · Hexenkraut · Jageteufel · Johannisblut · Johanniskraut · Mannskraft · Sonnwendkraut · Stolzer Heinrich · Tausendlöcherlkraut · Teufelsflucht · Unserer Frauen Bettstroh.Unknown

Botanische Pflanzenbeschreibung:

Die Pflanze ist 25 – 90 cm hoch, eine ausdauernde Ausläufer treibende Staude.
Die Blätter sind elliptisch oder eiförmig, (ca. 1,5 – 3cm) und die Blüten goldgelb, fünfzählig, mit schwarzroten Drüsenschuppen.
Das „echte“ Johanniskraut hat drei ganz typische Merkmale:

  1. einen zweikantiger Stengel
  2. „durchlöcherte“ Blätter („perforatum“ – perforiert = durchlöchert)
  3. die Knospen verfärben sich blutrot beim Zerreiben zwischen den Fingern

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Die Blütezeit ist von Juni – September und man findet es an Wegrändern, Dämmen und Feldrainen.

Die arzneilich verwendete Pflanzenteile sind das Kraut (ohne Wurzeln), die Drogenbezeichnung der verwendeten Teile sind:

  • Johanniskraut = Hyperici herb
  • Johanniskrautöl = Hyperici oleum

Inhaltsstoffe (Wirkstoffe): 
Ätherisches Öl,
Flavonoide (Rutin, Quercitrin, Hyperosid)
Harze, Gerbstoffe und Rhodan
Hypericin = Hypericumrot
Phlobaphene

Heilwirkung:
Anregung der Verdauungsorgane
stärkt das Herz – Kreislauf – System
beruhigend und antidepressiv

Besonders bekannt ist Johanniskraut als leichtes pflanzliches Antidepressivum und besonders interessant ist hierzu folgende Studie:
In einer randomisierten placebokontrollierten Doppelblindstudie erhielten Patienten mit mittelschwerer Depression sechs Wochen lang entweder einmal täglich 900 mg Hypericum-Extrakt STW 3-VI (Laif® 900), 20 mg Citalopram oder Placebo. Das Hauptzielkriterium zur Beurteilung der Therapiewirksamkeit war der Hamilton-Depressions-(HAMD)-Score.
Von fast identischen Ausgangsmittelwerten (21,9 STW 3-VI, 21,8 Citalopram, 22,0 Placebo) verringerte sich der HAMD-Score nach sechs Wochen signifikant bei dem Hypericum-Extrakt und Citalopram auf  10,3 Punkte (Placebo 13,0 Punkte).
Insgesamt war der Hypericum-Extrakt besser verträglich als Citalopram. In der Citalopram-Gruppe wurden signifikant mehr unerwünschte Arzneimittelwirkungen dokumentiert (53,2 Prozent) als in der Hypericum-Gruppe (17,2 Prozent) oder in der Placebogruppe (30 Prozent).

In der Naturheilkunde findet Johanniskraut darüber hinaus auch in der Homöopathie und der Spagyrik Anwendung:

Zur Herstellung des Homöopathikums verwendet man die ganze blühende Pflanze.
Man gibt es bei:
Schmerzzuständen
nach Gehirnerschütterung
bei Depressionen
bei Nervenschmerzen als Folge von Verletzungen

Johanniskraut als Hausmittel:
Wund – und Schmerzbehandlung
Lungenleiden
Magen- Darm- und Gallenbeschwerden
Durchfälle
Nervosität
Nervenleiden

Verwendung in der Spagyrik:
Johanniskraut ist eine Pflanze, die intensive Sonnenkräfte trägt.
In der Spagyrik wird sie z.B. gerne mit Gold kombiniert (konjugiert). Spagyrische Hypericum – Zubereitungen bringen warme solare Kräfte in den Organismus und in die Seele. Darüber hinaus haben sie eine kräftige aktivierende und bewusstseinsfördernde Wirkung.

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Herstellung eines Johanniskrautöls:

25 g Kraut, dessen Blüten gerade aufgegangen sind, auf 1/ 2 l Olivenöl, Sonnenblumenöl, etc. In eine Weithalsflasche füllen und 3 – 5 Tage an einem warmen Ort unter gelegentlichen Umrühren gären lassen. Dann wird die Flasche verschlossen und für ca. 6 Wochen dem Sonnenlicht ausgesetzt bis der Inhalt eine leuchtend rote Farbe angenommen hat. Dann wird abgepresst – das Öl wird nun in eine dunkelbraune Flasche gefüllt und kann nun verwendet werden.

 

Auch wenn bei Johanniskraut, selbst bei langer Anwendung, kaum Nebenwirkungen beobachtete wurden, dient es nicht der Selbstmedikamentation und sollte nur in Absprache mit einem Therapeuten eingenommen werden.

Vor allem wegen der Wechselwirkungen mit anderen Substanzen:
Johanniskraut erhöht die Aktivität eines bestimmten Leberenzyms, das für den Abbau verschiedener Medikamente verantwortlich ist. Durch die Einnahme von Johanniskraut kann es deshalb zu einem vermehrten Abbau und somit verminderter Wirkung von verschiedenen Immunsuppressiva (z.B. Cyclosporine), HIV-Medikamenten, Medikamenten, die zur Behandlung von Krebsleiden verwendet werden (Zytostatika), Herzmedikamenten (Digoxin) und vielen anderen kommen.
Wichtig ist hierbei auch insbesondere der vermehrte Abbau von einigen Arzneimitteln zur hormonellen Empfängnisverhütung (Pille). Bei der gleichzeitigen Einnahme von Johanniskraut und der Pille und dem dadurch bedingten Wirkverlust der Pille ist das Risiko von ungewollten Schwangerschaften demnach erhöht.
Johanniskraut kann andersherum aber auch die Wirkung verschiedener anderer Arzneimittel, wie Antidepressiva oder Narkosemittel, verstärken.

Und zu guter letzt – da Johanniskraut lichtempfindlich macht, sollte man während der Einnahme das pralle Sonnenlicht, Höhensonnen und Solarium möglichst meiden.

Juli 15th, 2015|